Gerichte

Zu Ehren einer Italienischen Prinzessin

Das heute vorgestellte Gericht hat eine besondere Geschichte. Auf den ersten Blick nur eine luxuriöse Variante von Pasta, scheint mir der verwendete Sugo von Hummer und seiner eigenen Sauce mit Cognac und Sahne sowie Kerbel gerade einmal annähernd würdig und edel genug, um der Namensgeberin dieser Nudelsorte gerecht zu werden. Warum das so ist? Lasst es mich erzählen…

Mafaldine mit Hummer

Mafaldine mit Hummer

Mafaldine, oder auch Reginette (ital. „kleine Königin“)

Die Mafaldine ist eine ca. 1 – 1,5 cm breite, bandförmige Pasta. Ihr zweiter Name, „Kleine Königin“, verweist auf ihre Namensgeberin, Prinzessin Mafalda Maria Elisabeth Anna Romana von Savoyen (2. November 1902 – 27. August 1944), zweite Tochter des Italienischen Königs Victor Emmanuel III und seiner Frau Jelena von Montenegro. Mafalda wird ins englische gern mit Matilda, ins deutsche auch mit Mathilde übersetzt.

Mafaldas Geschichte

Als ich die ersten Male diese Pasta verwendete, sagte mir ihr Name nichts. Nachdem ich dann heraus fand, wer Namensgeberin ist und wie ihr Schicksal war, veränderte sich meine Sicht doch ein wenig. Heute ist jedes Mahl mit einem Erinnern verbunden, und es ist gut so wenn wir uns erinnern an das, was der Erinnerung würdig ist.

Mafalda wurde in Rom geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Italien, in besonderer Verbindung mit ihrer Mutter und deren Engagement für verwundete und behinderte Soldaten des Ersten Weltkriegs. Im Alter von 23 Jahren heiratete sie dem Landgrafen von Hessen-Kassel, Prinz Philipp von Hessen, ein Nachkomme Kaiser Friedrich des III. Prinz Philipp war Mitglied der Nationalsozialisten. Seine Ehefrau Mafalda jedoch stieß aufgrund ihrer Einstellung und Sichtweisen bei den ‚Größen‘ der Nazis auf wenig Zuneigung – Adolf Hitler nannte sie „das schwärzeste Aas des italienischen Königshauses“, Goebbels bezeichnete sie als das „größte Rabenaas“.

Im Jahr 1943 reiste Mafalda nach Bulgarien, um der Beerdigung ihres Schwagers, König Boris III, beizuwohnen. Dort erfuhr sie von der italienischen Kapitulation. Ihr Mann war von den Alliierten unter Hausarrest gestellt, ihre Kinder der Obhut des Vatikans übergeben worden. Sie selbst wurde von der Gestapo verhaftet, indem sie unter einem Vorwand in die deutsche Botschaft in Belgrad gelockt wurde. Sie unterlief Verhöre in München und Berlin, bevor sie ins das Konzentrationslager Buchenwald gebracht wurde. Im August 1944 bombardierten die Alliierten eine Munitionsfabrik innerhalb Buchenwalds. Prinzessin Mafalda war unter den Häftlingen in der Fabrik, wurde schwer verwundet und verstarb später nach einer Armamputation. Ihre letzten Worte an zwei weibliche Mitgefangene waren „erinnert euch nicht an mich als Italienische Prinzessin, sondern als Italienische Schwester“.
Nach dem Krieg wurde sie in Kronberg im Taunus erneut beigesetzt.

Nach all dem, schreckt nicht davor zurück Mafaldine zu genießen – tut es mit Erinnern, und zum Gedenken an eine Italienische Schwester.

Mafaldine mit Hummer und Hummersauce

(Angaben für 2 Personen)

  • 1 – 2 Hummer (je nach Gewicht)
  • 2 Stangen Sellerie
  • 1 Karotte
  • 1 mittelgroße Schalotte
  • 2 Blatt Lorbeer
  • 6 schwarze Pfefferkörner
  • 1 Wacholderbeere
  • 2 EL Tomatenmark
  • 350 ml Weißwein (Grauburgunder, Sauvignon Blanc)
  • ca. 6 cl Cognac
  • etwa 200 ml Sahne
  • etwa 50 gr Butter
  • 1 Bund Kerbel
  • 2- 3 EL mildes Olivenöl
  • Mafaldine

Ich verwende gern als Hummer tiefgekühlten Atlantikhummer, der vorblanchiert und trocken gefrostet angeboten wird (jedoch nicht die in „Wassereisblöcke“ eingefrorenen). Somit entfällt das Kochen, man kann die aufgetauten Hummer direkt auslösen und die Karkasse für die Sauce verwenden.
Die ausgelösten Hummerstücke von Scheren und Schwanz werden in der fertigen Sauce sanft endgültig gar gezogen und erwärmt.

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Zubereitung:
In einem großen Topf das Olivenöl und die Hälfte der Butter erwärmen, die Schalotte in kleinen Würfeln zusammen mit Würfeln der Karotte und den nach dem zurichten mit dem Sparschäler in Scheiben geschnittenen Stangensellerie andünsten. Die Pfefferkörner, den Lorbeer und die Wacholderbeere hinzufügen.
In diesem Gemüseansatz die ausgelösten Hummerkarkassen (alle Schalenteile mit Kopf und Beinen) kräftig anrösten. Das Tomatenmark hinzufügen und mit rösten. Den Ansatz mit dem Weißwein ablöschen, den Cognac ebenfalls hinzufügen, das ganze etwas einkochen.

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Die Karkassen und das Gemüse durch ein Spitzsieb gießen und die erzeugte Saucengrundlage mit Sahne und Butter binden und verfeinern – dabei abschmecken, eventuell nach würzen. In der Sauce die Hummerstücke gar ziehen lassen. Alternativ dazu kann man den Hummer in zartbrauner Butter gardünsten und erst zum Schluss der Sauce hinzufügen.

Die Mafaldine nach Anleitung zubereiten (normalerweise haben sie eine Kochzeit von etwa 9 Minuten – daran denken, gut gesalzenes Wasser!).

Die Pasta und den Sugo vereinen und beim vermischen und etwa die Hälfte des Kerbels fein gehackt mit dazu geben, den restlichen Kerbel für die Dekoration und Verfeinerung benutzen.

Kategorien:Gerichte, Pasta, Rezepte

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